Fécamp – Saint-Vaast-la-Hougue

Am nächsten Morgen hieß es wieder früh aufstehen. Einerseits, um den Strom in die richtige Richtung nicht zu verpassen. Und andererseits, um in St.-Vaast-La-Hougue noch in den Hafen zu kommen. Nach unseren Berechnungen mussten wir allerspätestens um 2100 dort sein, da danach die Tiefe in der Einfahrt unter 1,90 m sinken und kurz darauf auch das Schleusentor schließen würde.

Morgennebel im Hafen

Nach einem kurzen Stopp an der Bunkerstation für frischen Diesel ging es raus aus dem Hafen. Der Morgennebel sorgte für verminderte Sicht, doch sobald wir die Klippe vor der Hafeneinfahrt hinter uns ließen, klarte der Himmel auf.

Bei der Ausfahrt aus dem Hafen klarte es auf

Wind hatten wir zunächst keinen, und so motorten wir an der Steilküste entlang Richtung Etretat. Dort waren wir beide schon als Kinder auf dem Weg zum Familienurlaub in der Bretagne mit dem Auto vorbei gefahren, und wir konnten uns noch gut an den beeindruckenden Steinbogen erinnern.

Vom Wasser aus sah er noch einmal größer aus, doch da es etwas Strom und Schwell gab, mussten wir leider etwas Abstand halten. Die Versuchung, hindurchzufahren, war natürlich da, doch das war mir dann doch zu heiß ohne genaue Tiefen- und Höhenangaben. Und erlaubt war es bestimmt auch nicht.

Ein Falter kommt uns besuchen und fährt eine Runde mit

Danach setzten wir Kurs auf Saint-Vaast-La-Hougue. Auf halber Strecke frischte der Wind auf und wir konnten wunderbar mit 6 Knoten durchs Wasser auf Halbwindkurs unserem Ziel entgegen fahren.

Das Schöne an Frankreich: Man bekommt in jedem Hafen Croissants und Pain-Au-Chocolats zum ersten, zweiten oder dritten Frühstück

Gegen 1800 wunderten wir uns zunächst, warum wir immer noch kein Land sehen konnten. Wir waren nur noch ca. 10 Meilen entfernt, doch von der Küste fehlte jede Spur. Den Grund erfuhren wir wenig später, als wir in eine veritable Nebelbank einfuhren.

Wo bleibt denn bloß die Küste?

Gebannt schauten wir aufs AIS und hielten Ausguck, da die Sicht auf mittlerweile gerade einmal 200m gefallen war. Alle zwei Minuten gaben wir einen Signalton mit dem Horn. Jetzt wäre ein Radar doch eine feine Sache. Normalerweise hätte ich ein Segel geborgen um langsamer unterwegs zu sein, doch wir wollten ja rechtzeitig im Hafen sein, um nicht 6 Stunden vor Anker auf die nächste Flut warten zu müssen.

Alle zwei Minuten geben wir ein Schallsignal

Letztlich entschied ich mich doch, das Groß zu bergen, und gerade als ich am Mast zugange war, schrie Tom aufgeregt: Schiff, Schiff!

Das Fischerboot taucht kurz vor dem Bug aus der Suppe auf

Und siehe da: Vor unserem Steuerbordbug, keine 200 Meter entfernt, tauchte ein Fischer aus dem Nebel auf. Er fuhr seelenruhig mit bestimmt 8 Knoten seines Weges und ich war froh, dass wir nicht auf Kollisionskurs waren. Ich bin nicht sicher, ob die Fischer in der Gegend Radar oder passives AIS benutzen. Jedenfalls hatte er kein aktives AIS eingeschaltet. Vielleicht um seine Fanggründe nicht zu verraten.

Naja, Glück gehabt. Bei Kollisionskurs hätten wir keine Minute Zeit gehabt zu reagieren. In der Nebelbank begegneten uns noch zwei weitere Fischerboote, die wir aber dank AIS gut vorhersehen konnten. Gerade begann ich zu überlegen, ob es sicher genug wäre, unter diesen Bedingungen nur mit dem Plotter in den Hafen zu fahren, als sich der Nebel plötzlich lichtete. Nun lag das Städtchen mit den vorgelagerten Inseln in schönstem Abendsonnenschein vor uns, und wir fuhren ohne Probleme durch das Schleusentor in den Hafen.

Die Einfahrt zum Hafen fällt bei Ebbe komplett trocken. Ein komisches Gefühl, in den „grünen Bereich“ der Karte zu fahren. Normalerweise versuche ich das tunlichst zu vermeiden.

Ein schöner Segeltag ging zuende und wir machten noch einen Spaziergang durch den kleinen Ort. Mit den Fischerbooten im Hafen und den kleinen Steinhäuschen erinnerte uns das Dorf schon sehr an die Bretagne.

Saint-Vaast-La-Hougue ist trotz des komischen Namens eine Reise wert

All is well (und man kann wieder was sehen 😉 ),

Jan

Abendstimmung am Wasser

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