Quo Vadis Klabauter-Shop?

In diesem Blogpost geht es nicht eigentlich ums Segeln, sondern eher um unternehmerische Fragestellungen. Aber vielleicht ist er trotzdem für den einen oder anderen Leser bzw. Leserin interessant.

Vor nicht einmal anderthalb Jahren, zu einer Zeit, als man Corona noch mit einer Biermarke assoziierte, habe ich einen Blogpost über mein Leben als digitaler Segelnomade geschrieben. Darin geht es darum, wie ich mein Bordleben finanziere: Einen Großteil meiner Reisekasse decke ich über die Einkünfte aus dem Klabauter-Shop.

Als ich den Artikel schrieb, waren meine Einkünfte gerade hoch genug, um meinen bescheidenen Lebensstil an Bord finanzieren zu können.

Mit der Corona-Pandemie hat sich das geändert. Während der lokale Handel in Deutschland sehr unter den Einschränkungen gelitten hat, ging es für den Online-Handel steil bergauf. Und hier hat zum Glück nicht nur Amazon, sondern haben auch die kleinen Händler profitiert.

So sieht es aktuell täglich bei meinem Großhändler im Lager aus. Ein guter Teil der Pakete ist vom Klabauter-Shop.

Insbesondere in den letzten Monaten habe ich Rekordumsätze gemacht und es gab 3-4 mal so viele Bestellungen wie im letzten Jahr! Zwar ist der durchschnittliche Bestellwert geringer als in den letzten Jahren, aber mittlerweile kann ich von den Einkünften im Klabauter-Shop nicht nur gut leben, sondern auch jeden Monat etwas zurücklegen.

Das eröffnet natürlich ganz andere Perspektiven und ich freue mich sehr, mittlerweile nicht mehr auf jeden Euro achten zu müssen, den ich z.B. in Barcelona im Restaurant ausgebe. Sollte der Shop weiterhin so gut laufen, würde mein Einkommen aktuell auch für ein gutes Leben an Land reichen. Oder irgendwann vielleicht einmal für ein etwas komfortableres Boot.

Der Preis des Erfolges

Aber, wie so viele Dinge im Leben, hat das Ganze auch Kehrseiten: Mittlerweile ist der Betrieb des Shops für mich quasi ein Vollzeitjob geworden, der ganz schön viel Zeit in Anspruch nimmt. Vor allem schaffe ich es aktuell noch nicht, mir feste Arbeitszeiten zu setzen, sodass ich häufig auch am Wochenende oder abends Kundenanfragen beantworten muss. Dafür kann ich natürlich auch mal tagsüber an den Strand gehen oder in der Hängematte lesen. Trotzdem fürchte ich, dass es ein ganz schöner Balanceakt wird, diesen Sommer den Shop zu betreuen, mein neues Projekt BoatHowTo zu starten und gleichzeitig noch weiter segelnd das Mittelmeer zu erkunden.

Auch wenn viele Prozesse, wie das Erstellen, Versenden und Verbuchen von Rechnungen, automatisch ablaufen, gibt es bei der aktuellen Flut an Bestellungen doch ein erhebliches Aufkommen an Kundenanfragen, Änderungswünschen und Retouren, die bearbeitet und verbucht werden müssen.

Aktuell verbringe ich ziemlich viel Zeit im „boat office“ und im Coworking Space in Barcelona.

Hinzu kommt, dass aufgrund der aktuellen Knappheit von Ressourcen und Bauteilen viele Hersteller Lieferprobleme haben und die zugesagten Lieferzeiten nicht einhalten können. Das resultiert dann in (verständlicherweise) verärgerten Kunden, die auf ihre Ware warten. Auch wenn ich nichts dafür kann, so ist es natürlich nicht schön, Kunden wieder und wieder vertrösten zu müssen, weil die versprochenen Lieferungen der Hersteller einfach nicht bei meinem Großhändler ankommen. Es herrschen jedenfalls gerade turbulente Zeiten.

Insgesamt macht mir der Kundenkontakt aber trotzdem viel Spaß, und hin und wieder ergibt sich aus einer Anfrage dann auch ein schöner “Schnack” unter Seglern. Das Feedback zum Klabauter-Shop ist jedenfalls sehr positiv und das motiviert mich natürlich auch.

Trotzdem stehe ich aktuell vor einer wichtigen Frage:

Wachsen oder klein bleiben?

Weiter wachsen würde bedeuten, dass ich die Buchhaltung und Jahresabschlüsse an einen Steuerberater abgeben müsste. Wahrscheinlich wäre dann auch die Gründung einer GmbH sinnvoll. Außerdem müsste ich, wenn das Bestellaufkommen so hoch bleibt, jemanden einstellen, der die Kundenanfragen für mich bearbeitet. Das wäre dann nach der Einarbeitungszeit sicherlich eine Erleichterung und würde mir helfen, auch mal abzuschalten und ein paar entspannte Segeltage zu genießen.

Auf der anderen Seite würden die Kosten für Steuerberater und Mitarbeiter auch einen Großteil meiner Gewinne wieder auffressen. Und es ist zudem nicht klar, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickeln wird. Ein Teil der Kunden wird vermutlich in Zukunft wieder im Ladengeschäft einkaufen. Und wenn es zu einer größeren Wirtschaftskrise kommen sollte, wäre die Wassersportbranche wahrscheinlich ziemlich stark betroffen. Wegen solcher Unwägbarkeiten war ich bisher eigentlich immer sehr froh, mein Geschäft ohne große Fixkosten und Investitionen betreiben zu können.

Die Alternative wäre, klein zu bleiben, bzw. eventuell sogar zu schrumpfen und einige “beratungsintensive” Artikel aus dem Sortiment zu nehmen. Mit einem Bestellaufkommen wie im letzten Jahr würde sich der Aufwand für den Betrieb des Shops dann wieder auf wenige Stunden am Tag beschränken und ich hätte wieder mehr Zeit zum Segeln. Dann könnte ich mich auch mehr um BoatHowTo und meine anderen Projekte, die KlabauterKiste und BootsBastler.org, kümmern. Und ich hätte deutlich weniger Fixkosten und Verantwortung, was auch einen Zugewinn an Freiheit bedeuten kann.

Allerdings ist es aktuell ohne eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter, die mich ggf. für ein paar Wochen vertreten könnten, schwierig bis unmöglich, längere Strecken am Stück zu segeln. Und über den Atlantik will ich ja auch noch irgendwann…

Ich habe seit dem Start des Klabauter-Shops auch nie richtig “Urlaub” machen können. Länger als 3 Tage am Stück ohne Emails zu bearbeiten, ist bei meinem aktuellen Geschäftsmodell einfach nicht möglich. Auch das ist ein Preis für die Freiheit, den man nicht vergessen darf. Dafür kann ich natürlich von überall aus arbeiten und mir meine Zeit frei einteilen.

Was tun?

Einerseits freut sich der Unternehmer in mir auf neue Herausforderungen und die Möglichkeit, eine “richtige” Firma aufzubauen. Und ich könnte natürlich trotzdem weiter auf meinem Boot leben und mir so vielleicht auch ein schönes Polster für Altersvorsorge und Co. aufbauen. Andererseits fällt dem Segler in mir immer wieder die “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral” von Heinrich Böll ein (hier der Originaltext). Ich konnte nämlich auch schon letztes Jahr mit wenig Geld und ohne GmbH, Steuerberater und was da noch alles dazu kommt sehr schön in der Sonne liegen und das Leben genießen…

Früher war mehr Hängematte…

Ich habe mich noch nicht entschieden, wie es weitergeht. In jedem Fall bin ich sehr gespannt auf eure Ideen und Meinungen zu diesem Thema. Schreibt sie mir gerne in die Kommentare. Vielleicht gibt es unter den Lesern dieses Blogs ja auch erfahrene Unternehmer, die schon vor einer ähnlichen Entscheidung standen. Ich halte euch in jedem Fall auf dem Laufenden…

P.S.: Falls jemand von euch Lesern Lust auf einen Job (vermutlich zunächst Minijob) im Klabauter-Shop hat, schreibe mir bitte gerne eine Email. Die Arbeit wäre natürlich komplett ortsunabhänging, also eigentlich ideal für andere Langfahrtsegler oder digitale Nomaden. Vielleicht hilft ja die Aussicht auf kompetentes Personal bei meiner Entscheidungsfindung… 😉

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14 comments
Carmen Krapp says 29. Mai 2021

Hallo Jan, vielleicht kannst Du Dich noch an mich erinnern. Wir haben uns Mal vor Deinem Segelabenteuer in Konstanz zum Pizzaessen getroffen. Ich war mit meinem Mann Klaus Schulze dort. Das war ein Seglertreffen 😁. Was stellst Du Dir denn vor, bzgl. Minijob/ Hilfe bei Deinem Klabautermann? Liebe Grüße Carmen

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    Jan says 30. Mai 2021

    Hallo Carmen,
    das ist ja cool, ich erinnere mich an das BootsBastler-Treffen damals in Konstanz! Ich werde mal sehen welche Teile ich wie am besten umorganisieren könnte sodass sich die Arbeit auf mehrere Personen aufteilen lässt. Ich komme dann gerne auf dich zurück!
    Liebe Grüße an den schönen Bodensee!
    Jan

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Thomas says 30. Mai 2021

Moin Jan,
Ich habe dein Post gelesen und verstehe deine Problematik sehr gut.
Ich bin Selbstständig in der Bodenleger und Malerbranche und verlege nun seit längerer Zeit Decksbeläge und führe kleinere Refits durch. Auch ich bin am überlegen wie ich meinen Alltag einfacher gestalten kann.
Was ich aber für mich entschieden habe ist folgendes:
Man hat viel Freiheiten in der Gestaltung seiner Selbstständigkeit . Aber ich will nicht mehr diese größer, weiter , höher …… Ich habe gemerkt das die Lebensqualität sehr darunter leidet. Ich habe alles gehabt mit 7 Mitarbeitern und und und …. Das ist aber nicht das was ich wollte . Ich habe mich nun dagegen entschieden.
Weil ich gemerkt habe das es für das eigene Wohlbefinden nicht förderlich war oder ist.
Mit weniger auszukommen und sich im Leben auf das wesentliche zu konzentrieren ist zwar schwierig aber wenn man den Sinn des Lebens erkannt hat , der bessere Weg .
Genieße lieber das Leben , denn du hast nur das eine . Und für später jetzt vorzusorgen ist zwar auch nicht verkehrt , aber ich sage mir immer ich weiß doch gar nicht ob ich so alt werde ?
Bleibe wie du bist und höre auf dein Herz und dein Bauchgefühl.

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    Jan says 30. Mai 2021

    Hallo Thomas,

    vielen Dank für deinen Input, und interessant von deiner Geschichte zu erfahren! Es ist ja in der Tat häufig ein Tradeoff zwischen Lebenszeit und Geld, und Lebenszeit ist eigentlich unendlich wertvoller. Andererseits macht mir meine Arbeit im Klabauter-Shop ja auch Spaß, aber mein Ziel ist es, nicht darin gefangen zu sein. Mal sehen, ob ich da einen Kompromiss schaffe.
    Liebe Grüße von Bord
    Jan

    Reply
Frank says 30. Mai 2021

Hallo Jan,
also ich kann dir nur meine Erfahrungen mitteilen.
Ich komme aus der Gastronomie und bin inzwischen seid über 30 Jahren selbstständig!
Ich hatte früher auch so Ambitionen das ich dachte ich muss größer und größer werden.
Hatte Cafeś, einen Club nen Partyladen. Heute kann ich Dir sagen weniger ist oftmals mehr! Ich habe alles verkauft und nur mein aller erster Laden ist übrig geblieben!
Heute schaffe ich es 9 Wochen im Jahr auf mein Boot zu kommen und Urlaub zu machen(in normalen Zeiten).
Also mein Rat für dich wäre bleibe so groß das du nicht viel Personal brauchst und auch keine anderen Dienstleister, dann wirst du vielleicht nicht reich aber glücklich und zufrieden!
Liebe Grüße
Frank

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    Jan says 30. Mai 2021

    Hallo Frank,
    vielen Dank für deine Geschichte! Das ist auf jeden Fall eine interessante Perspektive und schön zu sehen, dass es auch ohne „Wachstum um jeden Preis“ geht.
    Liebe Grüße aus Barcelona
    Jan

    Reply
Till Vieregge says 31. Mai 2021

Hallo Jan, schön von Dir zu hören und dass Dein Shop so erfolgreich läuft!
Wenn Du wirklich Freiraum haben willst, solltest Du delegieren! Und an externe Dienstleister ist es doch einfach, die kannst Du jederzeit wieder kündigen. Ich denke auch nicht, dass das online-Geschäft wieder rückläufig wird; aber gut, dass Du als Unternehmer vorsichtig bist. Wenn Du jetzt eine Teilzeit einstellst, evtl. zunächst befristet, kann das nicht verkehrt sein.
Dir weiterhin alles Gute und fair winds von Till (und Marco, Annika und inzwischen Pauline)

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    Jan says 31. Mai 2021

    Hallo Till,

    vielen Dank für deinen Kommentar und deine Einschätzung! Das Delegieren üben ist in der Tat gerade meine größte Herausforderung. Aber ich denke das ist ja auch eine gute Gelegenheit, Neues zu lernen und mich einer neuen Herausforderung zu stellen.

    Ganz liebe Grüße an alle drei Vieregge-Generationen!

    Jan

    Reply
Sven Finkemeyer says 1. Juni 2021

Das Thema Firmengründung vom Freelancer bis zur GmbH habe ich auch durch. Es wird mit der Größe nicht besser. Die Probleme werden nur anders.
Jedes Mal wenn man denkt: „dann stelle ich halt m/w/d ein und delegiere das Thema“, handelt man sich dafür neue Themen an anderer Stelle ein.
Stünde ich nochmal vor der Wahl, ich würde Freelancer bleiben.

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    Jan says 4. Juni 2021

    Hallo Sven,

    vielen Dank für deine Einschätzung! Ich denke auch, dass sich die Aufgaben verschieben und es neue Herausforderungen geben wird. Andererseits ist es mir auch wichtig, nicht immer und ständig auf Abruf im Kundensupport bereit stehen zu müssen. Ich denke ein vorsichtiges Wachstum mit 1-2 Aushilfen im Support wird mein nächster Schritt werden.

    Liebe Grüße
    Jan

    Reply
Julian Buß says 2. Juni 2021

Hallo Jan,

ich war zwölf Jahre lang Unternehmer mit bis zu 12 Angestellten. Selbst bei so ein paar Leuten ist die Verantwortung, die man auf einmal hat, massiv. Ich würde das heute nicht mehr machen wollen.

Andererseits musst du klar sehen, dass du Rücklagen bilden musst. Das ist keine Option. Irgendwann passiert irgendwas: Großer Schaden am Boot, du bist mal zwei Wochen krank und kannst nicht arbeiten… es ist keine Frage ob, sondern wann sowas passiert.

Dazu musst du anfangen, fürs Alter vorzusorgen. Auch wenn du mit wenig auskommst.

Der Erfolg vom Klabautershop ist verdient und erstmal etwas ganz wunderbares! Gezielt klein zu bleiben würde dir helfen, deinen aktuellen Lebensstil beizubehalten und wieder mehr Hängematte zu haben. Das ist einerseits klar erstrebenswert, andererseits aber einfach nicht schlau wenn du perspektivisch in die Zukunft schaust.

Mein Tipp: Nutze den Erfolg von Klabautershop und baue ihn aus. Delegiere die Sachen, die du einfach delegieren kannst wie Buchhaltung und Steuer an Dienstleister, die du kurzfristig auch wieder kündigen kannst.

Suche dir einen Freelancer, der dir Support- oder sonstige Arbeit auf Stundenbasis abnimmt. Ich komme aus der Software-Branche, da ist es total üblich, dass Freelancer viele Kunden parallel bedienen und stundenbasiert auf Rechnung arbeiten.

Der Trick ist, einerseits Arbeit abzugeben, aber andererseits eine schlanke Struktur zu behalten, die jederzeit kurzfristig auch wieder kleiner werden kann.

Viel Erfolg dabei!

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    Jan says 4. Juni 2021

    Hallo Julian,

    vielen Dank für deinen Kommentar, das ist eine sehr gute Einschätzung der Lage. Und du hast meine Entscheidung auch ziemlich gut zusammengefasst: Vorsichtiges Wachsen, um mich auf das wesentliche konzentrieren zu können und auch langfristig guten Service bieten zu können. Mal sehen, wie das weitergeht.

    Dir wünsche ich auf jeden Fall einen guten Start in die Saison und viel Freude mit den Solarpaneelen!

    Liebe Grüße in die Heimat
    Jan

    Reply
dirk weissenborn says 2. Juni 2021

hallo jan, vielleicht können wir dir einen teil der arbeit abnehmen.
ich habe den weg „wachstum“ eingeschlagen, bin nicht immer glücklich damit, aber das lässt sich dann auch nicht mehr so einfach zurück drehen.

wir haben neben unserem Kerngeschäft (Autolacke) den Bootspunkt shop und 2 Läden, eine Segelmacherei u. a. und könnten sicherlich einen Teil Deiner Urlaubsvertretung übernehmen – vielleicht eine Art Kooperation oder so?
wir sind knapp über 30 Mitarbeiter und so ist immer jemand da…
melde dich doch einfach per email wenn sich das für dich irgendwie sinnvoll anhört.
gruß Dirk

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    Jan says 4. Juni 2021

    Hallo Dirk,

    vielen Dank für deinen Kommentar, ich finde klasse, wie ihr das mit Bootspunkt.de macht. War schon ein paarmal bei euch auf der Seite bei verschiedenen Gelegenheiten.
    Was den Support angeht schaue jetzt erstmal, ob/wie ich mit Minijobbern bzw. Freelancern weiterkomme. Aber prinzipiell finde ich eine Kooperation super. Vor allem scheinen wir ja komplementäre Produkte in der gleichen Branche anzubieten.
    Lass uns also gerne mal „schnacken“!

    Liebe Grüße von Bord
    Jan

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