Amsterdam nach Rotterdam

Nach den zwei Tagen Aufenthalt in Amsterdam ging es zu dritt (Tom, Teresa und ich) weiter über die Kanäle Richtung Rotterdam. Wir hätten auch von Amsterdam aus wieder auf die Nordsee gehen können, aber für die kommenden Tage war Südwest 5-6 angesagt, also genau aus der Richtung, in die wir wollten. Da wir keine Lust auf Gegenanbolzen hatten, waren die Kanäle eine schöne Alternative. Außerdem wollte ich auf dem Weg in Leiden ein paar Kollegen besuchen.

Wir entschlossen uns gegen die Fahrt durch die Innenstadt, da die Eisenbahnbrücke nur zweimal öffnet, und zwar gegen halb drei und um halb 5 Uhr morgens. Keine besonders entspannte Zeit zum Aufstehen. Die alternative Route um die Stadt herum ist da angenehmer: Die Autobahnbrücke der A9 öffnet dreimal täglich und das zu humanen Zeiten. So standen wir um 0700 auf und waren pünktlich um 0930 an der Brücke zur Durchfahrt.

Dreimal am Tag öffnet sich die Autobahnbrücke der A9 für Sportboote

Eigentlich ist die Fahrt über die Kanäle so getaktet, dass man bei Einfahrt um 0930 pünktlich zur Öffnung der Eisenbahnbrücke gegen halb 3 vor Kaag ankommt. Aber wir wurden kurzfristig informiert, dass alte Freunde der Familie, die wir vom Campingurlaub aus der Bretagne kannten, direkt an der Strecke wohnten.

So machten wir einen Stopp in Heemstede, um gemeinsam ein Kopje Koffie zu trinken. Johan und Elise haben Tom und mich quasi aufwachsen sehen. Jedes Jahr zwischen meinem ersten und 18. Lebensjahr haben wir im Sommer einige Wochen nebeneinander auf dem Campingplatz verbracht. Seitdem hatte ich die beiden aber nicht mehr gesehen, sodass ich umso glücklicher über dieses Wiedersehen war.

Zu Besuch bei unseren holländischen Familienfreunden, die wir aus der Bretagne kennen

Durch den Zwischenstopp haben wir dann leider die Brückenöffnung verpasst und mussten am Wartesteiger bis zur nächsten Öffnung um 19 Uhr warten. Da dann die Brücken zur Einfahrt nach Leiden geschlossen waren, machten wir an der Insel Kaag Station für die Nacht. Hier werden auf der Feadship-Werft Luxusyachten gebaut, zu deren Besitzern unter anderem Henry Ford, Paul Allen und Steve Jobs gehörten. Auch sonst scheint die kleine Insel ein Rückzugsort für reiche Holländer zu sein, zumindest den Immobilienpreisen nach zu urteilen.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Leiden und machten mitten im Zentrum im Gemeindehafen fest. Dort gab es zwar keine richtigen Sanitäranlagen, dafür war der Hafen mit 10 Euro einer der günstigsten und am besten gelegenen bisher.

Während Tom und Teresa die Stadt erkundeten, nutzte ich die Gelegenheit, mich mit ehemaligen Kollegen zu treffen. Auch ein schöner Abschluss des Nexus1492-Projektes für mich, zum Ende meiner sechsjährigen Uni-Zeit und vielen Besuchen in Holland noch einmal auf eigenem Kiel in Leiden vorbei zu kommen.

Besuch von Kollegen zum Kaffee…
…und später auf einen Rum

Teresa verließ uns am Abend und wir fuhren am nächsten Morgen weiter mit Ziel Rotterdam. Diesen Tag begleitete uns meine ehemalige Kollegin Tibisay, die sich freute, einmal in das Bootsleben hineinzuschnuppern.

Mit Tibisay und Tom durch Südholland

Wir legten um kurz vor 10 ab und kamen dann um kurz nach 10 vor der ersten Brücke zu einem ungeplanten Stopp: Eigentlich wäre die Brücke durchgehend geöffnet gewesen, doch zwei rote Lichter und eine Menge Bauarbeiter auf der Brücke zeigten uns, dass etwas nicht stimmte.

Ich bekam schon einen Schreck: War die Brücke etwa gesperrt? Das hätte bedeutet, dass wir die ganze Strecke nach Amsterdam hätten zurückfahren müssen. Zum Glück stellte sich heraus, dass es zwar Bauarbeiten gab, die Brücke aber um 12 wieder öffnen würde. Zwei Stunden Verspätung sind zwar nicht schön, aber wir machten das Beste draus: ein Kopje Koffie in einer Brasserie in der Nähe.

Um 12 ging es dann weiter im Convoi mit einigen Motorbooten. Im Vergleich zu Friesland nehmen die Brücken in Südholland deutlich weniger Rücksicht auf die Sportschifffahrt, sodass wir mehrmals recht lange auf die Öffnung warten mussten. Trotzdem war die Fahrt durch Alphen a/d Rhijn abwechslungsreich, und uns wurde nicht langweilig.

In Südholland gibt es einige interessante Hebebrücken

Durch die Verspätung an der Brücke in Leiden verpassten wir leider die Öffnung der Eisenbahnbrücke in Gouda um 1427. Eigentlich kein Problem: Die nächsten Öffnungen sollten um 1627 und um 1827 sein. Dachten wir. Leider hatten wir das Sternchen übersehen: Diese Öffnungen sind nur dann vorgesehen, wenn auch die Berufsschifffahrt durch will. Da brachte es uns leider nichts, dass wir pünktlich um 1620 am Wartesteiger festmachten: Ein Frachtschiff war nirgends zu sehen.

Über Funk entschuldigte sich der Brückenwärter und drückte uns die Daumen, dass für die nächste Öffnung um 1827 ein Containerschiff vorbei kommen würde. Die Hoffnung erfüllte sich leider nicht, sodass wir tatsächlich bis 2027 warten mussten. Das Problem mit dem Wartesteiger war, dass es keine Verbindung zum Land gab.

Rotterdam konnten wir als Tagesziel dadurch leider vergessen, aber wir machten das Beste draus: Ich habe die Wanten nachgespannt und das Logbuch auf den neuesten Stand gebracht. Tibisay las in ihrem Kindle, und Tom hüpfte für einen kleinen Schwimm in den Kanal.

Ab ins Wasser mit dir, Tom!

Aus Langeweile kamen wir auf die Idee, dass es doch ganz nett wäre, einen Burger vom McDonalds am gegenüberliegenden Ufer zu holen. Gesagt, getan. Schuhe und Geld kamen in einen Drybag, den ich normalerweise als Schnellgreif-Sack für Notfälle an Bord habe. Tom schwamm los und kam nach 15 Minuten mit drei BigMacs im Drybag zurück.

In Badehose zu McDonalds
Auch wenn wir eigentlich keine Fastfood-Fans sind:
Ein selbsterschwommener Burger schmeckt einfach gut

Auch wenn er den ganzen Laden vollgetropft hatte, war er wohl die Attraktion beim Burgerbrater. Wann kommt schon mal ein klitschnasser Kunde in Badehose vorbei, um etwas zu Essen zu bestellen?

Gegen Abend kochte ich dann noch ein “richtiges” Essen (Nudeln mit Tomatensoße) und um 2027 gingen wir durch die Brücke und machten 15 Minuten später im Yachtclub von Gouda fest. Wir brachten Tibisay noch zum Bahnhof und liefen eine kleine Runde durch die Stadt, bevor wir uns zum wohlverdienten Schlaf in die Koje legten.

Nach fast 6 Stunden Warten konnten wir endlich durch die Brücke

Am nächten Morgen ging es weiter, und nach einer letzten Schleuse befanden wir uns wieder in einem Tidengewässer. Die kurze Fahrt nach Rotterdam verlief ohne Zwischenfälle, und gegen Mittag machten wir in der City-Marina fest. Der Hafen ist ziemlich luxuriös, und wir nutzten die Gelegenheit, unsere Wäsche zu waschen und ein wenig klar Schiff zu machen. Es gab sogar eine Badewanne, die wir allerdings dann doch nicht in Anspruch nahmen.

Einfahrt nach Rotterdam: drei verschiedene Brücken verstecken sich auf diesem Bild

Ich wollte unbedingt noch einmal indonesisch essen gehen, und so gönnten wir uns eine Reistafel für zwei Personen in einem netten Restaurant. Das Essen hätte auch locker für 4 Personen gereicht, aber zum Glück konnten wir die Reste einpacken. So liefen wir mit vier Plastikboxen voller Leckereien zurück zum Boot.

Ein indonesisches Festmahl! (Sogar vegetarisch und trotzdem lecker…)

Morgen geht es wieder auf die Nordsee.

All is well

Jan und Tom

P.S.: In Rotterdam haben die Leute sogar Boote auf ihren Booten… 🙂

3 Kommentare bei „Amsterdam nach Rotterdam“

  1. Klaus A. Müller sagt: Antworten

    Hi Jan – good luck – hab noch nicht gefunden, wo die Reise hingeht – Liebe Grüße vom Bodensee – Klaus

    1. Ist noch offen. Wahrscheinlich dieses Jahr nach Spanien/Portugal oder gar auf die Kanaren… Mache aber erst mal für ein paar Tage Station in Vannes um den Sprung über die Biskaya vorzubereiten…
      Liebe Grüße von Bord aus Bénodet,
      Jan
      (P.S.: Blog hinkt etwas hinterher, kommt aber alles noch…)

  2. Schön deinen Blog zu verfolgen.

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