Flussleben

Der Guadiana-Fluss ist ein Alterswohnsitz für Weltumsegler. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man in Alcoutim im Café sitzt und den Erzählungen der alten Seebären an den Nachbartischen lauscht.

Nicht wenige sind weit gereist in ihrem Seglerleben und haben nun am Fluss ein Stück Land mit Wohnwagen oder Finca gekauft, vor dem sie mit ihrem Boot ankern.

Der Fluss übt zu Recht einen starken Reiz auf Blauwassersegler aus. Mildes Klima im Winter, je nach Wunsch absolute Einsamkeit oder eine tolle Gemeinschaft in den Cafés und Kneipen in den Dörfern und noch dazu sehr günstige Preise für Land direkt am Fluss.

Diese als „Guadiana-Glue“ bezeichneten Annehmlichkeiten sorgen dafür, dass einige Segler hier „kleben bleiben“.

Soweit kam es in meinem Fall zum Glück (noch) nicht. Doch ich verbrachte zwei wunderbare Wochen mit tollen Menschen am Fluss, die mir den Abschied wirklich schwer machten. Neben meinen Freunden von der Vagabonde traf ich Peer und Claudia von der Maia wieder. Außerdem lernte ich Alfredas und Egle kennen, die mit ihren Kindern am und auf dem Fluss wohnen.

Alfredas hatte eine nicht unerhebliche Rolle in der Affaire um Cambridge Analytica. Über seine Geschichte hat er ein spannendes Hörbuch produziert (aktuell ist allerdings nur der erste Teil der Geschichte fertig). Wer hätte gedacht, was man für interessante Menschen in dieser beschaulichen Ecke unseres Planeten trifft.

Anstatt jetzt hier weiter große Worte zu schreiben folgen ein paar Bild-Eindrücke vom Flussleben. So kommt die Atmosphäre wahrscheinlich am besten rüber.

Das Dinghy ist das Hauptverkehrsmittel auf dem Fluss. In Gleitfahrt brauchte ich keine 3 Minuten vom Boot bis in mein Lieblingscafé…
…in dem ich mein Klabauter-Büro eingerichtet hatte auf der Terasse mit Blick auf die ankernden Boote.
Häufig kamen meine Freunde Elayna, Lenny und Riley zum Kaffee vorbei,…
…und bei unseren zahlreichen Ausflügen mit dem Dinghy erforschten wir Nebenflüsse mit den Resten römischer Mühlen.
Riley und Elayna haben sogar auf ahora gefilmt, und werden in einer kommenden „La Vagabonde“-Episode mich und den Klabauter-Shop vorstellen. Ich bin mal gespannt, ob sich das positiv auf den Umsatz auswirkt.
Außerdem hat Elayna ein paar tolle Fotos von uns Seebären geschossen. Danke dafür! :-*
Neben vielen Seglern freundete ich mich auch mit ein paar Einheimischen an (und wurde von diesen Bauarbeitern spontan zum Sardinen-Essen eingeladen). Wieder einmal hat sich das Portugiesisch-Lernen ausgezahlt.
Am Flussufer lassen sich wunderbar frische Zitronen und Orangen von den Bäumen pflücken.
Alfredas und Egle zeigten mir mit ihrem Dinghy einen tollen Platz in einem Nebenfluss…
…an dem man ganz für sich ist und wo ich Zeit zum Nachdenken und Tagebuchschreiben fand.
Bei einer Grillparty auf der Vagabonde kam endlich mal wieder mein Cobb-Grill zum Einsatz (Danke dafür, Mama und Papa 🙂 )
Und auch das Familienleben kam am Fluss nicht zu kurz…
…und das nicht nur bei den Menschen (obwohl die Katzenmama mir gegenüber etwas skeptisch eingestellt war).
Bei so schöner Landschaft und so tollen Begegnungen fällt es in der Tat schwer, nicht dem Guadiana-Glue zu verfallen.

Da ich allerdings für Ende Juni einen Krantermin in Faro für ahora gemacht hatte, gab es auch keine Ausreden mehr: Ich musste zurück in den Ria Formosa.

Da aber gleichzeitig die nächste Hitzewelle angekündigt war und ich keine Lust auf über 40 Grad ohne Wind im Fluss hatte, fiel mir der Abschied nicht ganz so schwer. Über die Rückfahrt berichte ich im nächsten Blogpost.

All is well

Jan

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