Barcelona

Während meiner Zeit auf Mallorca reifte in mir immer mehr die Entscheidung: Ich möchte den Winter in Barcelona verbringen.

Ursprünglich hatte ich ja geplant, nach Griechenland zu segeln. Doch im Nachhinein bin ich ganz froh, in einer großen, internationalen Stadt zu überwintern und nicht auf einer kleinen griechischen Insel, wo ich die Sprache nicht kenne, und mit potenziell recht wenigen sozialen Kontakten.

Also los!

Nach ein paar Tagen in Port de Pollença im Norden Mallorcas war endlich das Wetterfenster mit südlichen Winden da. Und so warf ich gegen Mittag am 19. Oktober die Leinen los für die gut 100 Meilen lange Überfahrt.

Der Inhalt meines „Grab-Bags“, den ich vor jeder längeren Überfahrt vorbereite, um ihn im Notfall mit in die Rettungsinsel zu nehmen
Das Cap de Formentor liegt im Kielwasser. Bis hoffentlich bald, du wunderschönes Mallorca!

Die Bedingungen für die Überfahrt waren perfekt: Zumindest zu Beginn kaum Welle und Raumschotkurs bei 4-5 Windstärken. Ich genoss es sehr, das letzte Mal für eine Weile die Freiheit des Meeres zu spüren.

Wie schön, noch ein letztes Mal vor der „Winterpause“ auf See zu sein!

Gut 20 Meilen nördlich von Mallorca kam mich eine Schwalbe besuchen, die es wohl hinaus aufs Meer geblasen hatte. Sie flog mehrfach in die Kajüte, wohl um einen Platz zum Ausruhen zu suchen und ließ sich sogar für eine Sekunde auf dem von mir angebotenen Finger nieder. Dann entschwand sie aber wieder aufs Meer. Ich hoffe, Sie hat es bis zum Festland geschafft…

Kurze Stippvisite eines gefiederten Besuchers…

Bereits am Nachmittag versuchte ich, ein wenig Schlaf zu finden, allerdings war das auf dem mittlerweile stark rollenden Schiff gar nicht so einfach. Zum Glück kam ich auf die Idee, meine Hängematte im Cockpit zu spannen, sodass ich – quasi halbkardanisch aufgehängt – kaum noch etwas vom Rollen des Schiffes mitbekam. So konnte ich eine Übermüdung wie damals auf der Biskaya vermeiden. Allerdings wurde es in der Hängematte trotz Winterjacke und Schlafsack recht kühl, sodass sich diese Methode definitiv nicht für Wintertörns eignet.

Kardanische Hängematte für die Nickerchen, um die man als Einhandsegler nicht herumkommt…

Natürlich schlief ich nicht die ganze Nacht über, sondern stellte mir einen Alarm alle 20 Minuten, um nach Schiffen Ausschau zu halten und den Stand der Segel und den Windpiloten zu checken. Während längerer Wachphasen hörte ich zudem „The Great Gatsby“ als Hörbuch. Auch wenn ich am nächsten Morgen nicht top ausgeschlafen war, so hätte ich in diesem Rhythmus sicherlich ein paar Tage länger segeln können. Gut zu wissen, wenn in Zukunft mal wieder größere Strecken anstehen.

Morgengrauen auf See

Gegen Ende der Nacht leuchtete der Schein der Lichter von Barcelona am Himmel mit dem Morgengrauen um die Wette, bis schließlich die Sonne gewann. Nach einem schönen Sonnenaufgang machte ich gegen 13 Uhr, nach ziemlich genau 24 Stunden auf See, im Port Olímpic in Barcelona fest.

Der Port Olímpic im Zentrum von Barcelona

Es war ein komisches Gefühl, mir vorzustellen, dass ahora nun hier für die nächsten paar Monate mit den Festmachern „gefesselt“ sein würde. Andererseits freute ich mich auch auf etwas Stadtleben als Kontrast zu Ankerbuchten ohne die Annehmlichkeiten der Zivilisation. Und ein „geregelter“ Tagesablauf, um in Ruhe an meinem neuen Projekt arbeiten zu können, war sicher auch nicht verkehrt. Und nicht zuletzt freute ich mich auf warme Hafenduschen und den Luxus, mit Landstrom heizen und meinen Wasserkocher betreiben zu können…

Mein neues „Zuhause“ für die nächsten Monate. Meine erste Anschaffung war ein Fahrrad, um die Stadt erkunden zu können.
Zum „Einwintern“ gehört das Entsalzen von Dinghy, Segeln und allen möglichen Kleinteilen. So kann man verhindern, dass Feuchtigkeit angezogen wird und sich Schimmel bildet.

Für meine Arbeit fand ich einen tollen Coworking-Space ganz in der Nähe der Marina und lernte dort auch gleich ein paar nette Leute kennen, die auch an digitalen Projekten arbeiten.

Mein Arbeitsplatz im „Jungle Coworking„, keine 5 Minuten mit dem Rad von der Marina

Und nun, da die Restaurants mittags in Spanien wieder auf haben, gönne ich mir täglich ein Mittagessen in der Sonne auf einer der Terrassen. Man könnte sagen, dass ich zu faul zum Kochen bin, aber ich rede mir natürlich ein, dass ich das nur mache, um die durch Corona geplagte lokale Gastronomie zu unterstützen. 😉 Vielleicht stimmt ja auch beides…

Nachdem ich es schon mehrfach angedeutet habe, möchte ich nun mein neues Projekt auch endlich vorstellen: BoatHowTo.com

Ich produziere jetzt englischsprachige Online-Kurse für Bootsbesitzer! Und zwar nicht alleine, sondern gemeinsam mit den wahrscheinlich bekanntesten Autoren bzw. Experten in dem Bereich von beiden Seiten des Atlantiks: Michael Herrmann und Nigel Calder.

Ahoras kleine Kajüte ist jetzt nicht nur Wohnzimmer, Esszimmer,Schlafzimmer und Büro sondern auch noch Filmstudio…

Ich bin extrem gespannt, wie sich das Projekt entwickeln wird. Eins kann ich jetzt schon einmal sagen: Gute Videolektionen zu erstellen und frei in die Kamera zu sprechen ist schwieriger und mehr Arbeit, als man zunächst denken mag. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass unser erster Kurs zum Thema Bordelektrik das mit Abstand Beste ist, was man zu dem Thema weltweit finden kann! (Und ich bin nicht der Typ der sowas ohne Grund behauptet…)

Neben der Arbeit an BoatHowTo gab es auch beim Klabauter-Shop mehr zu tun als sonst. Ich bin gerade dabei, die über 6.000 Produkte neu zu sortieren und endlich aussagekräftige Kategoriebeschreibungen zu schreiben. Durch die Pandemie gab es in den letzten Monaten ein erhöhtes Pensum an Kundenanfragen per E-Mail. Doch der Lockdown in Deutschland hat mir als Online-Shop auch ein dickes Umsatzplus beschert, was mich natürlich sehr freut und mir die Möglichkeit gibt, mit den Einnahmen die spanischen Restaurantbesitzer zu unterstützen… 😉

Bei schönem Wetter ist die Hafenmole nicht nur mein Büro…
…sondern auch mein Yoga- und Fitnessstudio (und ab und zu sogar Schwimmbad…)

Generell kann man sagen, dass mein Aufenthalt in Barcelona hauptsächlich von Arbeit geprägt ist. Insofern kommt der Lockdown ganz gelegen, denn so gibt es deutlich weniger Ablenkung und ich komme gar nicht erst in Versuchung, bis spät in der Nacht in Tapas-Bars herumzuhängen.

Trotzdem vermisse ich ab und zu das Zusammenhocken mit anderen Seglern, wie ich es z.B. von meiner Zeit aus Porto kenne. Darum hoffe ich sehr, dass sich die Corona-Lage im Frühjahr und Sommer entspannt, damit das, was den Reiz am Reisen für mich ausmacht (Menschen treffen), wieder besser möglich wird.

Aber bis dahin werde ich einfach noch ein wenig produktiv sein…

All is well

Jan

P.S.: Trotz der vielen Arbeit genieße ich auch gerne mal ein Croissant an der Strandpromenade…

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